Tom Sawyer und Huckleberry Finn
Kurzinhalt:
(pi).
Eine tiefschwarze Nacht, ein frisch aufgeworfenes Grab, Nebelschwaden und
Eulengeschrei. Ein Friedhof. Zwei Jungen und ihre tote Katze warten auf
Geister und Teufel, doch was kommt, ist schlimmer: Ein echter Mord geschieht.
Indianer-Joe ersticht Doktor Robinson und schiebt dann dem alten Muff Potter
die Schuld in die Schuhe. Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind die einzigen
Zeugen des Mordes und von ihnen hängt es ab, ob Muff hängen muss
oder nicht. Das Gewissen sagt ihnen, dass sie alles sagen, die Angst vor
Indianer-Joe, dass sie für immer schweigen müssen.
In dem kleinen Dorf im Süden der Vereinigten Staaten, in dem die beiden
elternlosen Jungen leben, hat man es als Kind nicht leicht; zu eng sind
die Häuser, zu streng die Tanten, zu versteckt die Schätze, zu
verzweigt die Höhlen und zu lang die Zäune. Und wären da
nicht Billy, Amy, Joe und Becky, wäre das Leben ziemlich trostlos.
Freundschaft hilft und bringt Spaß. Mit Witz, Mut und guten Freunden
besteht man so manche Gefahr.
Ein Stück über die Kraft der Freundschaft, den Triumph der Frechheit, über Einsamkeit, Außenseitertum und Erwachsenwerden - und vor allem mit viel Musik!
Bewertung: 


(sl). „Tom! Tom! Wo der wieder steckt! Tom! Wenn ich dich erwische... Ich werde dich... So etwas Rotzfreches habe ich noch nicht erlebt!“ Tante Polly hat es nicht gerade einfach mit dem Sohn ihrer verstorbenen Schwester. Thomas Sawyer, genannt Tom, hat nichts als Flausen im Kopf - und Becky Thatcher, "Diese absolut wunderbare Becky!" Gewitzt und nicht auf den Kopf gefallen, weiß er sich aus mancher Situation herauszuwinden. .
Nach
dem Romanklassiker von Mark Twain haben Dramaturgin Sonja Anders und Regisseur
Henning Bock "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" für die Bühne des
Hamburger Thalia Theaters adaptiert und halten sich dabei dicht an die Literaturvorgabe.
"Ein Familien- und Kinderstück für alle furchtlosen Piratinnen,
erfolglosen Schatzsucher, liebeskranken Höhlenforscher - und sonstige
Verwandten ab 8 Jahren", beschreibt es das Programm treffend. Doch
um es gleich vorweg zu nehmen: Wer mit seinen Kindern hingehen möchte,
sollte vorher unbedingt mit ihnen das Buch gelesen haben. Zu viele Fragen
bleiben sonst offen, denn das 90-minütige Stück, das leider in
einem Rutsch durchgespielt wird (was als Angabe im Programmheft fehlt!),
lässt kaum die Möglichkeit zu Atem zu kommen, geschweige denn
Fragen loszuwerden. Da wäre es doch dringend angeraten, eine Pause
nach der Hälfte einzufügen!
Bravourös
spielt Jungschauspieler Tino Mewes, der gerade erst sein Studium an der
Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin abgeschlossen
hat, den Tom Sawyer. Nicht nur Beckys Herz erweicht er mit seinem Charme,
vor allem die Herzen der Zuschauer erobert er mit seiner gelungenen Darstellung
im Sturm. Seine Spielfreude ist nicht aufgesetzt, sondern von einem Enthusiasmus
getragen, den man bei Routiniers so oft vermisst. Zum Beispiel bei Daniel
Hoevels, der trotz begeistertem Schlussapplaus immer noch so ernst wirkt,
wie es für die Rolle des Huckleberry Finn nicht immer sein muss. Etwas
zu dreckig geraten und das Gesicht durch die langen speckigen Haare zu oft
verdeckt, bleibt er neben dem fröhlichen Tom fast ein wenig konturenlos.
Auch Julia Nachtmann als Becky Thatcher wirkt manchmal etwas zu unbeholfen
und steif, vielleicht spielt sie sich aber noch warm und war lediglich bei
der Premiere zu nervös.
Dafür
sind die Nebenrollen umso treffender besetzt: Indianer-Joe herrlich fies
von Helmut Mooshammer gespielt und Axel Olsson als treudoofer Muff Potter
scheinen direkt aus Mark Twains Roman entstiegen zu sein. Verena Reichardt
als Tante Polly ist dafür etwas zu jung und eigentlich auch zu hübsch
und leider kann sie nicht singen. Richtig gut kann tatsächlich nur
einer in dem Stück singen: Georg Münzel, der als Pastor auch noch
zum Brüllen komisch ist. Überhaupt ist die Musik von Deborah Wargon
einfach zu laut, zu schlecht ausgesteuert und die Texte überdies für
Kinder sehr schlecht verständlich. Nur das Duett "Wir stehen zusammen
am Ruder, Bruder" von Tom Sawyer und Huckleberry Finn ist gut zu verstehen,
weil es etwas ruhiger ist. Dafür bieten die drei kostümierten
Musiker Harm Hinz, Lars Precht und Nicolai von Schweder-Schreiner als die
"Mississippi Moskitos" eine optische Entschädigung.
Ein
Genuss ist aber vor allem das wunderschöne Bühnenbild von Jörg
Kiefel. Überaus phantasievoll gestaltet, lässt es die Landschaft
des Mississippi unter einem berauschenden Himmel gelungen auferstehen. Genial
auch der aus dem Boden fahrende Knast, in den Muff Potter gesperrt wird.
Überhaupt ist die Inszenierung mit unglaublich viel Liebe zum Detail
versehen: Da wird der Zaun von Tante Polly mit richtiger Farbe gestrichen,
Joe Harper (Björn Gabriel) leert nach der Floßfahrt echtes Wasser
aus seinem Gummistiefel, und in der unheimlichen Friedhofsszene wird tatsächlich
Erde aus dem Grab geschaufelt. Genau das macht "Tom Sawyer und Huckleberry
Finn" zu einem ganz besonderen Theatererlebnis und lässt die kleinen
Schwächen schnell vergessen. Bleibt zu hoffen, dass das absolut sehenswerte
Stück auch nach den Weihnachtsferien auf dem Spielplan stehen bleibt.
Denn eines ist gewiss: "Tom Sawyer und Huckleberry Finn" bleibt kleinen
und großen Zuschauern sicherlich unvergesslich!
© Copyright alle Fotos: Hans Jörg Michel.
Besetzung und Stab:
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Infos und Termine:
Thalia Theater Hamburg
Raboisen 67
20095 Hamburg
Telefon: 040 32 81 40
Telefax: 040 32 81 42 01
Vorstellungen:
Alle Angaben ohne Gewähr.
Weitere Informationen unter: www.thalia-theater.de
Buchtipp:
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